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Neuer Junghengst Nummer 10

Dankwart x Tüga Mix




Wenn ein Pferd erzieht – und wir lernen sollten zuzuhören


Sozialisierung eines Jungpferdes und was sie uns Menschen lehrt


Es gibt Momente im Stall, in denen man besser nichts tut.Nicht, weil man gleichgültig ist – sondern weil man erkennt, dass gerade etwas sehr Wertvolles geschieht.

So ein Moment war die Integration eines sieben Monate alten Hengstes in eine bestehende Herde.

Der junge Hengst kannte keine Herdenhaltung. Entsprechend zeigte er Unsicherheit: erhöhte Spannung, schnelle Reaktionen, Austreten. Auffällig war jedoch, dass er dieses Verhalten nicht gegenüber dem Herdenchef Bert zeigte.

Und genau dort begann das eigentliche Lernen – für das Jungpferd, für die Herde und auch für uns Menschen.


Beobachtung aus der Praxis: Leise Führung statt lauter Dominanz

Bert führte nicht mit Kraft.Er führte mit Klarheit.

Mit feiner Mimik, ruhigem Ohrenspiel und minimalen Bewegungen nahm er Kontakt auf. Er begann an Stellen, die keine Bedrohung darstellen: Rückseite der Nase, Flanke. Erst wenn keine Abwehr kam, wurde Nähe fortgesetzt.


Mit feiner Mimik, ruhigem Ohrenspiel und minimalen Bewegungen nahm er Kontakt auf. Er begann an Stellen, die keine Bedrohung darstellen: Rückseite der Nase, Flanke. Erst wenn keine Abwehr kam, wurde Nähe fortgesetzt.

Die Berührung der Hinterhand – eine hochsensible Zone – erfolgte nur dort, wo bereits Vertrauen bestand. In der Herde ist das kein Zufall, sondern ein stilles Sicherheitsabkommen.

Der junge Hengst wurde der Herde nicht „ausgesetzt“, sondern schrittweise vorgestellt. Mit jedem passenden Verhalten erhielt er mehr Raum. Fehlverhalten wurde kurz, klar und emotionslos korrigiert – meist durch ein seitliches Schubsen. Kein Nachsetzen, kein Drama.

Bemerkenswert war auch:Einige Pferde ahmten Berts ruhige Art nach und hatten Erfolg beim Jungpferd. Andere näherten sich stürmisch – und scheiterten. Bert griff regulierend ein, noch bevor es eskalierte. Nicht nur beim Jungpferd, sondern auch bei den Erwachsenen.


Als ein Mensch eingreifen wollte, machte Bert mit Blick und Ohrenspiel deutlich: Ich regle das.


Und er tat es.


Warum das ethologisch Sinn ergibt

Pferde sind hochsoziale Fluchttiere. Ihre Sicherheit beruht auf klaren, vorhersehbaren sozialen Strukturen. Innerhalb der Herde verstehen sie feinste Signale, weil alle Beteiligten dasselbe „Vokabular“ sprechen.

Ein erfahrenes Altpferd wie Bert:

  • ist berechenbar

  • reagiert präventiv

  • wird nicht als Bedrohung wahrgenommen


Der Mensch hingegen:

  • bewegt sich untypisch

  • hat eine andere Körpersilhouette

  • sendet für Pferde schwer einzuordnende Signale


Was unter Pferden eine sanfte Kontaktaufnahme ist, kann für ein Jungpferd beim Menschen schnell Unsicherheit oder Gefahr bedeuten. Abwehrverhalten wie Austreten oder Ausweichen ist dann kein „Ungehorsam“, sondern Selbstschutz.


Die wichtigste Erkenntnis

Der Mensch ersetzt keine Herde. Aber er kann lernen, sie nicht zu stören.

Sicherheit entsteht nicht durch Nähe, sondern durch Klarheit, Distanz und Vorhersehbarkeit.

Manchmal ist das Beste, was wir tun können, stehen zu bleiben –und zuzusehen, wie Pferde einander lehren, was wir von ihnen lernen dürfen.



 
 
 

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